Im Artikel „Schreibblockaden überwinden“ haben Sie erfahren, wie Sie die inneren Dämonen überlisten. Nun geht es darum, Aufmerksamkeit mit einem spannenden Text zu erlangen. Denn die schönste Geschäftsidee oder das tollste Produkt werden bei Ihrer relevanten Zielgruppe nicht bekannt, solange Sie keine gute Geschichte darüber erzählen. Und „gut” bezieht sich nicht auf die vermittelten Fakten. Vielmehr auf die Frage: Erzeugt Ihre Story einen Sog? Löst sie etwas bei den Lesenden aus? Denn nur dann hat sie eine Chance bei Ihrem Publikum.

Die Themen:

  1. Jeder Mensch ist Spezialist für Spannung
  2. Spannung aufbauen dank „aufgeladener“ Wörter
  3. Dramaturgischer Feinschliff

Ein Meister der Spannung

Doch wie entsteht Spannung? Ein Tipp des Film-Regisseurs Billy Wilder (u.a.: Eins, zwei, drei; Manche mögen’s heiß):

„Beginne mit einem Erdbeben und steigere das ganze langsam bis zum Höhepunkt.“

Als Meister seines Fachs erfüllt Billy Wilder diesen an sich selbst gestellten Anspruch in seinen Filmen ganz hervorragend. Deshalb steht Eins, zwei, drei in meiner Top 10 der Lieblingsfilme ganz weit oben! Ich kenne nur wenige andere Filmemacher, die mit einem dermaßen mitreißenden Galopp starten und währenddessen immer und immer wieder sehr originell überraschen. Ein perfektes Beispiel für erstklassige Dramaturgie!

Bevor Sie nun das Handtuch werfen: Auch weniger rasant und perfekt inszenierte Filme sind Kassenschlager geworden. Und: Um eine vergleichbar rundum stimmige Dramaturgie aufbauen zu können, ist es meist notwendig, den Stoff von vorn bis hinten frei erfinden zu können. Stellt der Autor dann fest, dass es irgendwo hakt, erfindet er ganz einfach neu.

Sie hingegen müssen sich an vorgegebene Fakten halten. Trotzdem ist der Aufbau eines guten Spannungsbogens möglich.

Besondere Marketing-Botschaften durch Storytelling

Jede und jeder ist Spezialist für Spannung

Sofern es möglich ist, tatsächlich ungewöhnliche Inhalte anzubieten, ist das selbstverständlich großartig. Doch wie gesagt: Sie müssen sich an Ihre Fakten halten. Das engt ein, muss jedoch nicht unbedingt schlecht sein.

Klopfen Sie jede Aussage, die Sie bisher niedergeschrieben haben, einzeln auf ihr Spannungspotential ab. Auch Sie sind Expertin oder Experte für Spannung, weil auch Sie täglich Hunderte und Tausende von Botschaften verarbeiten und daher bestens wissen, was Sie langweilt – und wann plötzlich Ihr Spannungswachund anschlägt und ausruft: „Wow, das interessiert mich!“

Spannung dank „aufgeladener“ Wörter

Spannung entsteht bereits durch einzelne Wörter, die etwas versprechen. In meinem nächsten Artikel dieser Reihe „Der Weg zu einer – gehirngerechten – Story“ werden Sie den Jungunternehmer Max Mader dabei beobachten, wie er von einer langweiligen Faktensammlung zu einem spannenden Einladungstext gelangt. Schon in der Headline verwendet er ein kraftvolles Wort, das ein ganzes Universum von Assoziationen eröffnet: ‚Mystic‘. Dann schreibt er vom ‚Spirit‘ des Bambus – die mystische Reise geht weiter. Zudem wählt er aktive und daher besonders gehirngerechte Wörter und baut mit diesen eine Spannung auf, die die Leser*innen in den Text hineinzieht. Doch bleiben wir vorerst bei der Analyse des Spannungs-Potenzials Ihrer Roh-Story. Bewerten Sie die darin enthaltenen Informationen.

Storytelling: Vom Zauber erzählen

Spielen mit dem Zeitpfeil

Welche eignet sich am besten für den Einstieg? Denken Sie an die notwendige dramaturgische Abfolge „Anfang – Höhepunkt – Schluss“ (Artikel 2: „Die Vorarbeiten für Ihre Marketing-Story“), die nach einer gewissen Chronologie der dargestellten Ereignisse verlangt. Doch Sie können mit dem Zeitpfeil spielen, ihn gewissermaßen zurechtbiegen. Indem Sie ein besonders dramatisches oder witziges Ereignis vorziehen, damit den Sog in die Geschichte hinein auslösen, um dann mit der Aussage „Doch beginnen wir am Anfang…“ zu der Struktur der notwendigen zeitlichen Abfolge zu gelangen.

Tauchen Sie in dieses Thema in meinem Buch tiefer ein, um zu erfahren, wie dies gelingt. Bei Max ist es ein Streit, der alles andere nach sich zieht; bei dem Erfinder eines neuen Taschentyps die Unzufriedenheit mit allen existierenden Produkten; bei mir der intensive Forscherdrang, aus dem heraus sich mein Beruf logisch entwickelt hat.

Auch Ihre Geschichte enthält ein Element, das wenigstens zum anerkennenden Hochziehen einer Augenbraue führt, womöglich sogar zu einem spontan ausgerufenen: „Wow!“ Weil Sie zum Beispiel zu einer außergewöhnlichen Lösung gefunden haben oder ein ungewöhnliches rettendes Erlebnis hatten – das gemeinhin als Zufall bezeichnet wird; den ich jedoch lieber als Zugfall bezeichne, weil sich ohne Ihr Handeln keine Möglichkeit für das Ereignis geboten hätte. Oder weil ein Mensch unvermittelt in Ihr Leben getreten ist, der geradezu wie ein Engel für Sie gewirkt hat. Oder weil Sie den Mut hatten, eine richtig riskante Entscheidung zu treffen. Oder weil Sie eines Tages ganz tief in sich die intuitive Wahrheit erkannt haben, dass Sie dieser einen Idee jetzt unbedingt folgen mussten. Es gab keine Alternative dazu. Definitiv.

Das ist möglicherweise bereits bester Stoff für Ihre Überschrift. Doch schreiben Sie diese erst zum Schluss, wenn Ihr Text vollständig steht. Dann entdecken Sie am besten die eine packende Aussage, die Ihre Story auf den Punkt bringt.

Ebenfalls in meinem Buch erhalten Sie Tipps, wie Sie ein Billy-Wilder-Erdbeben simulieren können, falls es zu Beginn Ihrer Gründung oder Produktentwicklung kein Beben gegeben haben sollte. Dafür können Sie etliche schöne dramaturgische Stilelemente nutzen. Oder andere menschliche Vorlieben ansprechen, zum Beispiel unser Faible für Humor.

Artikel 6: Eine gehirngerechte Story schreiben

Die ganze Mühe, die Sie sich gerade aufbürden, lohnt auf jeden Fall. Denn ohne den Aufbau von Spannung bleibt all Ihre Arbeit ohne Effekt – weil unser Gehirn langweilige Texten sofort links liegen lässt. Es jubelt hingen, sobald die Story Emotionen erweckt. Wie das gelingt, erfahren Sie im nächsten Artikel anhand von Praxis-Beispielen.

Take off!: Erfolgreiches Marketing mit Storytelling