Warum professionelle Kommunikation mehr braucht als gute Texte – und was das über die Arbeitsweise professioneller Texter verrät

Wenn die eigene Expertise den Blick auf das Wesentliche verstellt – und KI den traditionellen Wert von Textarbeit offenbart

Verstehen ist gut, begeistert sein dank tiefer Erkenntnis ist besser. Diese Erkenntnis entsteht, sobald das Marketing für ein neues Angebot die vielen Dimensionen des Entwicklungsprozesses durchleuchtet: Das Problem ganz zu Beginn, die Gipfel und Täler im Findungsprozess und die letztendliche Lösung mit dem Gewinn, von dem Menschen während der Anwendung profitieren. Und vieles mehr. Begeisterung entsteht, wenn diese Dimensionen lebendig erzählt werden. Und dadurch die Leistung der Entwickler greifbar wird, sowie die Relevanz ihrer Erfindung. Ein komplexer Prozess.

Und: Ausgerechnet Künstliche Intelligenz zeigt uns nun sehr deutlich die Gründe dafür, warum professionelle Kommunikation schon immer mehr war als hervorragendes Schreiben.

Wenn erstaunlich ungewöhnliche Leistung auf erstaunlich gewöhnliche Kommunikation trifft

Manche Unternehmen leisten erstaunlich Ungewöhnliches. Sie entwickeln Technologien, die ganze Arbeitsprozesse verändern. Sie lösen Probleme, an denen andere seit Jahren arbeiten. Sie verfügen über beeindruckende Erfahrung, die über Jahrzehnte gewachsen ist.

Trotzdem klingt ihre Kommunikation oft erstaunlich gewöhnlich und bleibt hinter den gewünschten Erfolgen zurück. Oder lässt Potenzial liegen. Und zwar viel mehr, als von dem Unternehmen erwartet würde. Doch dieses Potenzial ist vorhanden. Es wartet darauf, in die Welt hinausgetragen zu werden.

Der Grund für den Gap zwischen möglicher Begeisterung und tatsächlichem Verzicht: Die veröffentlichten Websitetexte, Whitepaper, Landingpages, Fachtexte oder Case Studies zählen lediglich Leistungen, Merkmale und Funktionen auf. Alles ist korrekt. Doch der entscheidende Klick im Kopf der Lesenden bleibt aus, weil sie nicht erkennen:

„Deshalb ist genau dieses Angebot gerade jetzt für mich wichtig!“

Ja, oftmals wäre es tatsächlich gut, dem jeweiligen Text mehr sprachliche Kraft, Dramaturgie und präzisere Formulierungen zu verpassen. Oder eine Metapher, die einen komplexen Zusammenhang in wenigen Sekunden verständlich macht.

Doch häufig verlieren Texte schon während der Konzeptionsphase ihre Kraft. Deshalb bleibt das Marketing hinter seinen Möglichkeiten zurück. Weil der Kommunikation elementares Wissen fehlt, das im Unternehmen so selbstverständlich geworden ist, dass niemand mehr darüber spricht. An diesem Punkt beginnt meine Arbeit in der strategischen Kommunikation: Zusammenhänge aufzeigen, bevor sie in Texte übersetzt werden.

Wenn die eigene Expertise den Blick auf das Wesentliche verstellt

Ist diese Situation eingetreten, entstehen während der Konzeptionsphase blinde Flecken. Deren Ursache: Mittlerweile erscheint logisch, was noch vor kurzer Zeit ein ungewöhnlicher Lösungsweg war, der zum Erfolg geführt hat. Und die daraus mühsam gewonnene Expertise hat im Alltagsgeschäft den Zauber der Innovation verloren.

Vielmehr ist die Jagd nach dem nächsten Erfindungs-Thrill eröffnet, die den Fokus schon wieder neu ausrichtet. Und die Geschichte, die es jetzt im Rückblick zu erzählen gilt, bleibt blass.

Diese blinden Flecken brennen daher Löcher in die gerade geplante Kommunikation. Weil für den Erfolg wichtige Zusammenhänge unsichtbar bleiben. Die Darstellung einer Innovation gewinnt daher nicht die Kraft, die eigentlich darauf wartet, angemessen erzählt zu werden.

Denn: Die Überzeugungskraft professioneller Kommunikation entsteht nicht nur aus der Vermittlung einzelner Informationen. Sie entsteht aus den Zusammenhängen zwischen ihnen, die einen größeren Bedeutungs-Kontext entstehen lassen.

Eine neue Funktion wird nicht automatisch als bedeutsam erkannt

Am Beginn der Entwicklung einer hochspannenden Story stehen Fragen:

Welches Problem gab den Anstoß? Woran scheiterten erste Ansätze? Welche neue Idee veränderte den Entwicklungsweg? Und was können Menschen heute dank dieser Entwicklung tun, was vorher unmöglich oder erheblich aufwendiger war?

Jedes Detail vervollständigt ein Gesamtbild, das zeigt, welche Leistung hinter dieser Entwicklung steht – und was sie für den Markt bedeutet.

Eine Success Story, die diese Aufgabe erfüllt, ist beispielsweise die vom Smart Switch, einem neuen Bedienelement von Elektrosil, konzipiert für die CNC-Maschine SINUMERIK ONE von Siemens. Dieser Smart Switch ist ein Drehschalter für die Maschinensteuerung, dessen Faszination im Zusammenspiel von Einhandbedienung, haptischen Signalen und frei konfigurierbarer Funktionen entsteht. Er ermöglicht vollkommen neue Abläufe an der Werkzeugmaschine. Aus einem Steuerungselement wird ein neues Bedienkonzept.

Die Story, die den Weg vom Beginn bis zur Marktreife nachzeichnet, verändert den Blick auf die Leistung. Die technische Funktion bleibt wichtig. Doch die facettenreiche Story lässt erkennen, welche neue Chancen die Elektroingenieure den Anwendern eröffnet haben.

Professionelle Marketing-Kommunikation lebt von diesen Zusammenhängen. Erst wenn diese ausreichend zusammengetragen sind, können Texte entstehen, die eine außergewöhnliche Bedeutung vermitteln.

Die berühmten blinden Flecken ausleuchten

Deshalb sollte von der Marketingabteilung vor jeder kommunikativen Tat der Fragenkatalog an das Entwicklerteam mit dieser wichtigsten beginnen: „Warum haben wir diese Lösung überhaupt entwickelt?“

Das ursprüngliche Problem, das schon fast vergessen ist, wird jetzt wieder wichtig. Auch die Gespräche mit Kunden und Auftraggebern: „Was braucht ihr? Habt ihr eine kühne Vision, die ihr für unmöglich haltet? Raus damit!“

Dann geht es darum, auch die gescheiterten Versuche zu dokumentieren. Dann deren Analyse. Auch die gedanklichen Sprünge über Hürden, hin zu einer Idee, die den neuen Weg bahnt. Und zu der Entscheidung, diesem Weg tatsächlich zu folgen.

Dieser Prozess entfaltet nicht nur Wirkung nach außen. Denn plötzlich gewinnen Unternehmen und deren Marketingverantwortlichen selbst einen neuen Blick auf ihre eigene Leistung. Und mit jeder weiteren Frage kann sich das Bild verändern, vertiefen und so die tatsächliche Entwicklungsleistung in all ihren Dimensionen noch aufregender aufzeigen.

Gewachsene Erfahrung wird sichtbar. Aus einem Leistungsmerkmal entsteht ein Beweis für Kompetenz und Klugheit. Nichts davon wird erfunden. Es war längst vorhanden. Es wurde nur nicht mehr gesehen.

So werden die blinden Flecken mit Inhalten gefüllt, die später zu Texten führen, die Zustimmung und Nachfrage hervorrufen.

Gerade im Marketing für erklärungsbedürftige Produkte und Leistungen entscheidet diese Erkenntnistiefe über den Erfolg. Marketingtexte konkurrieren heute nicht mehr nur über Formulierungen. Sie müssen klar nachvollziehbar aufzeigen, warum eine Lösung für ihre Zielgruppe bedeutsam ist. Erst daraus entsteht Kommunikation, die Interesse weckt, Vertrauen aufbaut und Kaufentscheidungen vorbereitet.

Doch bei den Texten sind wir noch nicht. Noch fehlt ein wichtiger Schritt.

Schreiben verändert das Denken

Sind die Zusammenhänge freigelegt, beginnt die sprachliche Arbeit. Jetzt braucht der Text Präzision, Rhythmus und Dramaturgie.

Er muss Informationen gewichten und verdichten, Spannung aufbauen und den Leser führen. Es geht um Sätze, die mal auf Tempo setzen, mal auf Sorgfalt, um einen Aspekt besonders zu betonen.

Dann geht es um eine treffende Metapher, die einen schwierigen Zusammenhang kognitiv schnell zugänglich macht. Oder um eine die Entwicklungsrichtung verändernde Überraschung während eines bestimmten Findungsschrittes, die es aufmerksam zu inszenieren gilt.

Auch diese Phase lebt noch von der weiterhin fortgesetzten Erkenntnisarbeit. In der Textarbeit wird sortiert, neu verknüpft und immer wieder überprüft, ob das angestrebte strategische Ziel noch angemessen im Blick bleibt. Das bedeutet: Textproduktion lebt nicht einfach davon, das Erfahrene möglichst ansprechend aufzuschreiben.

Vielmehr werden in diesem Prozess das Thema und Ziel weiterentwickelt. Und immer wieder mit möglichst ausgeprägter sprachlicher Virtuosität in eine immer klarere und kraftvollere Business Story gebracht, die ein Publikum packt. Dieselbe Erkenntnis trägt später sämtliche Kommunikationsmittel. Sie bildet das Fundament meiner Arbeit als Fachtexter.

Was KI jetzt sichtbar macht

Bei diesem Prozess ist Künstliche Intelligenz sehr hilfreich. Doch deren Schreibleistung bleibt hinter dem Notwendigen oft sehr weit zurück. Einerseits wirken ihre Formulierungen immer menschlicher. Doch das ist nur eine Oberfläche. Darunter machen sich inhaltliche Schwächen (fehlendes Verständnis, vergessene Inhalte etc.) und Langeweile (schlechte Stilistik, fehlende oder unpassende Dramaturgie, Redundanzen, etc.) breit. Weil sie das, was Entwickler leisten, weder versteht noch fühlt. Sie kann den Prozess nicht nacherleben.

Daher zeigt sich, je mehr KI-Texte publiziert werden, sehr deutlich, worauf professionelle Kommunikation schon immer beruhte. Deren Erfolgsrezept bestand nie nur darin, dass jemand hervorragend zu schreiben weiß.

Erfolgreiche professionelle Kommunikation wächst daraus, dass erfahrene Texterinnen und Texter wesentliche Fragen stellen, die auch eine emotionale Seite haben. Textschaffende haben schon immer zuerst zugehört, nachgefragt, mitgefiebert und verschiedene Perspektiven miteinander verbunden.

Dafür mussten sie erkennen, welche Information fehlt und welche zu viel ist. Wo eine Behauptung einen Beweis braucht und welches Orchester komplexer Zusammenhänge aus einer technischen Funktion eine bedeutende Entwicklung macht, die alle haben wollen.

Enthält das Material, das einer KI eingefüttert wird, hingegen blinde Flecken, übernimmt sie diese. Sie fragt nicht so nach, wie es ein Mensch tun würde.

Daher wächst, weil die Produktion von Texten durch Bots so massiv schneller geworden ist, die Notwendigkeit eines Aspekts immens:

Erst die Erkenntnistiefe vor dem Schreiben ermöglicht hervorragende Kommunikationsmittel. Und die entsteht im Gespräch mit den Entwicklern. Haben sie die Scheu davor verloren, möglicherweise als prahlerisch zu gelten, sprudelt es nur so aus ihnen heraus. Plötzlich liegen faszinierende Details auf dem Tisch, von denen fast niemals jemand etwas erfahren hätte. Ein Alleinstellungsmerkmal tritt wesentlich klarer hervor.

Was überzeugende Kommunikation braucht

Erfolgreiche Kommunikation begann schon immer mit einem frischen, auslotenden Blick auf die erbrachten Leistungen. Und daher mit einer tiefgreifenden Analyse:

Was sehen die beteiligten Menschen nicht mehr, weil es für sie selbstverständlich geworden ist? Welche außergewöhnliche Entwicklungsleistung steckt hinter dem fertigen Ergebnis? Was sind die Dimensionen der neuen Möglichkeiten, die entstanden sind? Was verändert die Innovation dadurch für Menschen am Arbeitsplatz? Und eben: Was trauen sie sich nicht zu sagen?

Die Antworten, die aus diesen Erkenntnissen entstehen, zeigen die wirkliche Bedeutung. Und Dramaturgie sowie Sprache machen diese Relevanz erlebbar.

Deshalb beginne ich ein Projekt nicht mit der Textproduktion. Am Anfang stehen Gespräche, Fragen, Recherchen. Damit ich die Zusammenhänge erkenne, aus denen später Positionierungen, Business Stories, Landingpages, Whitepaper, Fachtexte und Case Studies für das Marketing wachsen.

Also Texte für das Marketing, die mehr leisten als eine korrekte Beschreibung. Sie zeigen, warum ein Unternehmen und seine Arbeit besonders und wichtig sind.

KI verändert das Schreiben. Sichtbar wird jetzt, worauf professionelle Kommunikation schon immer angewiesen war: einen geschärften Blick auf das, was andere noch nicht wissen – doch unbedingt erfahren müssen, um die Innovation vollumfänglich zu verstehen.

Wer ich bin und wie mein Weg zur professionellen Kommunikation verlief, lesen Sie auf der Seite Über mich.

Häufige Fragen zur professionellen Kommunikation

Warum reichen gute Texte allein für professionelle Kommunikation nicht aus?

Ein sprachlich guter Text kann Informationen klar strukturieren und angenehm lesbar machen. Überzeugungskraft entsteht jedoch früher. Sie wächst aus den Zusammenhängen zwischen den Informationen. Erst wenn sichtbar wird, warum eine Entwicklung entstanden ist, welche Probleme sie löst und welche Auswirkungen sie auf Menschen oder Prozesse hat, entwickelt Kommunikation Bedeutung. Sprache macht diese Bedeutung anschließend erlebbar.

Was machen professionelle Texter anders?

Professionelle Texter formulieren nicht nur. Sie recherchieren, fragen nach und verbinden unterschiedliche Perspektiven. Während Gesprächen und beim Schreiben entstehen häufig neue Erkenntnisse. Dadurch verändert sich der Blick auf eine Leistung. Erst danach entstehen Texte, die nicht nur korrekt informieren, sondern Orientierung geben und überzeugen.

Kann Künstliche Intelligenz professionelle Kommunikation ersetzen?

KI unterstützt heute viele Arbeitsschritte sehr wirkungsvoll. Sie formuliert flüssig und verarbeitet große Informationsmengen. Entscheidend bleibt jedoch die Qualität der Erkenntnisse, die ihr zur Verfügung stehen. Fehlen wichtige Zusammenhänge bereits in der Recherche, übernimmt KI diese Lücken. Der eigentliche Erkenntnisprozess bleibt deshalb eine menschliche Aufgabe.

Warum überzeugen viele Fachtexte trotz korrekter Inhalte nicht?

Fachtexte beschreiben häufig Eigenschaften, Funktionen und Vorteile. Was oft fehlt, ist der Bedeutungs-Kontext. Warum wurde eine Lösung entwickelt? Welche Probleme löst sie? Welche Veränderungen ermöglicht sie? Erst diese Zusammenhänge machen aus Informationen eine überzeugende Geschichte.

Warum beginnt gute Kommunikation lange vor dem Schreiben?

Professionelle Kommunikation entsteht bereits während Recherche, Interviews und Analyse. Dort werden blinde Flecken sichtbar und Zusammenhänge entdeckt, die später den roten Faden bilden. Das Schreiben setzt diesen Erkenntnisprozess fort und macht ihn für andere nachvollziehbar.

Welche Rolle spielen Business Stories im B2B-Marketing?

Business Stories zeigen nicht nur das Ergebnis einer Entwicklung. Sie machen den Weg dorthin sichtbar: den Ausgangspunkt, die Herausforderungen, die Entscheidungen und die Wirkung für Anwender. Dadurch entsteht Vertrauen. Gerade bei erklärungsbedürftigen Produkten und technischen Innovationen werden Leistungen so verständlich und glaubwürdig.

Autorenporträt Volker Höinghaus

Ich arbeite mit Sprache dort, wo Entscheidungen vorbereitet werden müssen. Für mich sind Texte ein zentrales Arbeitsmittel. Die entscheidenden Aspekte: Wie sie Orientierung geben, Denkprozesse strukturieren und im Alltag von Organisationen tatsächlich genutzt werden.

Mein Blick ist geprägt von journalistischer Praxis und vielen Jahren an der Schnittstelle von B2B-Kommunikation, Marketing und Veränderungsprozessen. Ich begleite Themen, bei denen Gewissheiten fehlen, Interessen auseinanderdriften und Klarheit erst entstehen muss.

In meinen Denkstücken über strategische Textarbeit untersuche ich, wie Sprache im Wandel trägt – für Menschen ebenso wie für KI-gestützte Suchsysteme.

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